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Homeoffice Jobs finden: IAB-Zahlen zu Suchradius und Remote

8 Min. Lesezeit

Homeoffice verändert, wie weit Menschen zur Arbeit pendeln. Eine neue IAB-Auswertung zeigt, was das für deine Jobsuche bedeutet, warum sich ein größerer Suchradius lohnen kann und wie du auch komplett remote arbeitende Stellen in den Blick nimmst.

Das Wichtigste in Kürze
  • Bei Berufen mit hohem Homeoffice-Potenzial stieg der Arbeitsweg von 2019 bis 2023 im Schnitt von 37 auf 44 Kilometer.
  • Wer in einen homeoffice-freundlichen Job wechselte, nahm im Schnitt etwa 10 Kilometer längere Wege in Kauf.
  • 2024 gab es bei 26 Prozent aller Neueinstellungen eine Homeoffice-Option, auf Fachkraft-Niveau bei 17 Prozent.
  • Firmen, die Homeoffice erlauben, bekommen laut IAB Bewerbungen aus einem weiteren Umkreis.
  • Meist geht es um hybrides Arbeiten. Reine Remote-Jobs sind damit nicht ausgeschlossen, werden in den genannten Auswertungen aber nicht gesondert ausgewiesen.

Homeoffice Jobs findest du am ehesten, wenn du deinen Suchradius erweiterst und gezielt nach hybriden oder remote ausgeschriebenen Stellen suchst. Eine neue Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt: Wer einen Job mit Homeoffice-Möglichkeit hat, nimmt deutlich längere Arbeitswege in Kauf, weil nicht mehr jeden Tag gependelt wird. Hier erfährst du, was die Zahlen bedeuten, wie realistisch Homeoffice auf deinem Niveau ist, welche Chancen es auf komplett remote arbeitende Stellen gibt und wie du bei der Jobsuche vorgehst.

Neue IAB-Zahlen: Homeoffice macht Arbeitswege länger

Das IAB hat im IAB-Forum ausgewertet, wie mobiles Arbeiten Pendelwege und Wohnorte in Deutschland verändert hat. Grundlage sind Verwaltungsdaten von 2 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Gemessen wird die Luftlinie zwischen Wohn- und Arbeitsort, nicht die tatsächliche Fahrstrecke.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Der durchschnittliche Arbeitsweg von Büroangestellten ist seit 2019 von 27,5 auf 32 Kilometer gestiegen.
  • Bei Berufen mit hohem Homeoffice-Potenzial wuchs der Weg von 2019 bis 2023 im Schnitt von 37 auf 44 Kilometer.
  • Bei mittlerem Potenzial waren es 28 statt 30 Kilometer, bei niedrigem 21 statt 22 Kilometer.
  • Wer in einen homeoffice-freundlichen Job gewechselt ist, hat im Schnitt etwa 10 Kilometer längere Wege in Kauf genommen.
  • Viele arbeiten in teuren Städten, wohnen aber in günstigeren Regionen.

Die Autorinnen und Autoren sehen darin eine dauerhafte Veränderung und keinen vorübergehenden Effekt. Die längeren Wege gehen demnach auf bewusste Entscheidungen der Beschäftigten zurück, vor allem in Berufen mit hohem Homeoffice-Potenzial. Laut demselben Beitrag zeigen außerdem verschiedene Erhebungen, unter anderem des ifo Instituts, übereinstimmend, dass ein großer Teil der Beschäftigten weiterhin regelmäßig mobil arbeitet. Das passt zu einer früheren Auswertung im IAB-Discussion Paper 6/2024: Bei neuen Jobs ist der Effekt deutlich größer als bei bestehenden, und er geht vor allem auf Stellen in Großstädten zurück. Homeoffice macht teure Wohnungsmärkte also leichter erträglich.

Interessant auch: Bei Frauen hat die Homeoffice-Nutzung stärker zugenommen, ihre Arbeitswege sind aber ähnlich gewachsen wie bei Männern. Und laut einer Auswertung der Frankfurt UAS gibt es insgesamt weniger Arbeitswege, die einzelnen Wege dauern dafür aber länger.

Ehrlicher Blick: Wie oft gibt es Homeoffice wirklich?

Bevor du deine Jobsuche umstellst, lohnt sich ein realistischer Blick. Laut IAB geht es meistens um hybrides Arbeiten: Du arbeitest an einigen Tagen zu Hause und an anderen im Betrieb. Bei solchen Stellen musst du den Arbeitsort weiterhin regelmäßig erreichen können.

Wie verbreitet Homeoffice bei neuen Stellen ist, zeigt die IAB-Stellenerhebung 3/2025. Bei 26 Prozent aller Neueinstellungen im Jahr 2024 gab es eine Homeoffice-Option. Je nach Anforderungsniveau sieht das sehr unterschiedlich aus:

Anforderungsniveau Neueinstellungen mit Homeoffice-Option (2024)
Spezialisten und Experten 57 %
Fachkräfte 17 %
Helfer 2 %
Alle Neueinstellungen 26 %

Für dich heißt das: Homeoffice ist kein Selbstläufer. Auf Fachkraft-Niveau hat nur etwa jede sechste neue Stelle eine Homeoffice-Option. Am ehesten ist mobiles Arbeiten bei Bürotätigkeiten umsetzbar, bei denen du vor allem am Computer arbeitest. Je mehr Fachwissen eine Stelle verlangt, desto häufiger ist Homeoffice möglich.

Reine Remote-Jobs: möglich, aber Verhandlungssache

Dass die Zahlen vor allem hybrides Arbeiten beschreiben, heißt nicht, dass Jobs komplett aus dem Homeoffice ausgeschlossen sind. Die hier genannten Auswertungen erfassen Homeoffice-Optionen insgesamt. Wie viele Stellen vollständig remote laufen, weisen sie nicht gesondert aus.

Wo komplett remote am ehesten realistisch ist

Berufe haben laut einem IAB-Kurzbericht von 2021 ein sehr unterschiedliches Homeoffice-Potenzial. Handwerkliche und pflegende Berufe sind kaum geeignet. Die besten Voraussetzungen haben Bürojobs, in denen du vor allem am Computer arbeitest und die Abläufe digital organisiert sind, etwa über Online-Tools, digitale Ablage und Videokonferenzen. Je weniger deine Aufgaben an einen Ort gebunden sind, desto eher lässt sich auch ein hoher Homeoffice-Anteil begründen.

Arbeitgeber suchen weiter entfernt

Laut den Zentralen Befunden des IAB 2025 bekommen Firmen, die Homeoffice erlauben, Bewerbungen aus einem weiteren Umkreis. Das deutet darauf hin, dass Betriebe und Bewerbende ihren Suchradius vergrößern, was zu besser passenden Besetzungen führen kann. Für dich bedeutet das: Eine Stelle mit viel Homeoffice kann auch dann realistisch sein, wenn du weiter entfernt wohnst.

Regelungen unterscheiden sich stark

Wie viel Homeoffice möglich ist, legt jeder Arbeitgeber anders fest. Laut einer im IAB-Dossier zusammengefassten Studie setzen zum Beispiel zwei Drittel der DAX-Unternehmen auf feste Obergrenzen für Homeoffice-Tage. Prüfe deshalb bei jeder Stelle genau, was gilt, statt von einer allgemeinen Regel auszugehen.

Erst hybrid, später mehr Homeoffice?

Viele Stellen starten mit festen Präsenztagen, etwa während der Einarbeitung. Wie oft Beschäftigte danach ganz ins Homeoffice wechseln, lässt sich mit den hier genannten Studien nicht beziffern. Bei Bürojobs mit digitalen Abläufen kann es sich aber lohnen, das Thema anzusprechen. So gehst du vor:

  • Frag schon im Vorstellungsgespräch, ob sich der Homeoffice-Anteil nach der Einarbeitung oder Probezeit erweitern lässt.
  • Zeig nach dem Einstieg, dass du auch von zu Hause zuverlässig und selbstständig arbeitest.
  • Sprich eine Ausweitung konkret an, zum Beispiel mit einem Vorschlag, wie Erreichbarkeit und Abstimmung im Team laufen.
  • Lass dir vereinbarte Regelungen schriftlich bestätigen.

So findest du Homeoffice Jobs: Suchradius, Suchbegriffe, Gespräch

Suchradius bewusst erweitern

Wenn du nur zwei oder drei Tage pro Woche ins Büro fährst, kann eine Stelle in Frage kommen, die du für tägliches Pendeln ausgeschlossen hättest. Die IAB-Zahlen zeigen, dass genau das viele Beschäftigte beim Jobwechsel tun. Setze den Umkreis in Jobportalen probeweise größer und prüfe, ob in der nächsten Großstadt passende Stellen ausgeschrieben sind. Suchst du gezielt nach Stellen, die komplett remote möglich sind, spielt der Umkreis eine noch kleinere Rolle. Achte dann darauf, ob gelegentliche Termine vor Ort erwartet werden.

Mit den richtigen Suchbegriffen suchen

Arbeitgeber beschreiben Homeoffice unterschiedlich. Kombiniere deinen Wunschberuf deshalb mit verschiedenen Begriffen, zum Beispiel:

  • „Homeoffice“ oder „Home-Office“
  • „hybrid“ oder „hybrides Arbeiten“
  • „mobiles Arbeiten“
  • „remote“
  • „100 % Homeoffice“ oder „vollständig remote“, wenn du komplett von zu Hause arbeiten möchtest

Bietet ein Jobportal einen eigenen Filter für Homeoffice an, nutze ihn zusätzlich. Lies die Anzeigen trotzdem genau: Oft steht erst bei den Vorteilen, wie viele Tage mobil möglich sind.

Im Vorstellungsgespräch konkret nachfragen

Steht nichts in der Anzeige, frag im Gespräch sachlich nach. Hilfreiche Fragen sind etwa: Wie viele Tage pro Woche ist Homeoffice üblich? Gibt es feste Präsenztage? Gilt die Regelung schon in der Einarbeitung? Lässt sich der Homeoffice-Anteil später erweitern, bis hin zu komplett remote? So weißt du, mit wie vielen Pendeltagen du rechnen musst.

Vor der Zusage rechnen

Ein weiterer Arbeitsweg lohnt sich nur, wenn die Rechnung für dich aufgeht. Überlege vor der Zusage:

  1. Pendeltage: Wie oft fährst du tatsächlich ins Büro, auch in der Probezeit?
  2. Fahrzeit: Wie lange dauert der Weg mit Auto oder Bahn wirklich? Die Luftlinie sagt wenig über die Fahrzeit aus.
  3. Fahrtkosten: Was kosten dich Sprit, Ticket oder Parkplatz pro Monat?
  4. Wohnort: Passt die Stelle zu deiner Wohnsituation, oder müsstest du umziehen?
  5. Arbeitsplatz zu Hause: Hast du Ruhe und Platz, um konzentriert zu arbeiten?

Rechne dabei mit der Regelung, die zum Start gilt. Eine mögliche spätere Ausweitung des Homeoffice ist ein Plus, aber keine sichere Grundlage für deine Entscheidung.

Mit Weiterbildung in Bürojobs, in denen Homeoffice eher möglich ist

Die Stellenerhebung zeigt: Fachwissen erhöht die Chance auf Homeoffice. Wenn du dich beruflich neu orientieren willst, kann eine Weiterbildung in einen Bürojob führen, in dem mobiles Arbeiten eher umsetzbar ist als in Berufen mit Präsenzpflicht. Bei Minister Fachschule führen zum Beispiel diese Vollzeitkurse in Bürotätigkeiten:

Der Unterricht läuft hybrid: Du nimmst online per Videokonferenz oder vor Ort teil. Wer online dabei ist, übt nebenbei genau das, was hybride Jobs verlangen, nämlich digitale Zusammenarbeit und selbstständiges Arbeiten. Für die Kursdauer bekommst du ein kostenloses Notebook oder Chromebook.

Im regelmäßigen Bewerbertraining kannst du zum Beispiel üben, wie du im Vorstellungsgespräch nach Homeoffice fragst. Praxisprojekte für dein eigenes Portfolio helfen dir, dich auch bei Arbeitgebern weiter weg mit Arbeitsproben zu zeigen. Dazu kommen Kontakte zu Unternehmen. Mit Bildungsgutschein, etwa von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter, ist die Weiterbildung für dich 100 Prozent kostenlos.

Häufige Fragen

Lohnt sich ein Job weiter weg, wenn ich Homeoffice habe?

Das kann sich lohnen, wenn du nur an einigen Tagen pendelst und Fahrzeit sowie Kosten für dich tragbar sind. Viele Beschäftigte nehmen laut IAB beim Wechsel in einen homeoffice-freundlichen Job im Schnitt etwa 10 Kilometer längere Wege in Kauf.

Sind Homeoffice Jobs meistens reine Remote-Jobs?

Laut IAB geht es meistens um hybrides Arbeiten, also teils zu Hause und teils im Betrieb. Reine Remote-Jobs sind damit nicht ausgeschlossen, ihr Anteil wird in den genannten Auswertungen aber nicht gesondert ausgewiesen. Rechne bei den meisten Stellen mit regelmäßigen Präsenztagen und frag gezielt nach, wenn du komplett remote arbeiten möchtest.

Kann ich später komplett ins Homeoffice wechseln?

Das hängt von Arbeitgeber und Tätigkeit ab. Belastbare Zahlen dazu, wie oft das gelingt, liefern die hier genannten Studien nicht. Am ehesten realistisch ist es bei Bürojobs, in denen du vor allem am Computer arbeitest und die Abläufe digital sind. Sprich das Thema am besten schon im Vorstellungsgespräch an.

Wie hoch sind meine Chancen auf Homeoffice als Fachkraft?

Laut IAB-Stellenerhebung gab es 2024 bei 17 Prozent der Neueinstellungen auf Fachkraft-Niveau eine Homeoffice-Option. Bei Spezialisten und Experten waren es 57 Prozent.

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Quellen

Bild: ricardorv30 / Pixabay

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