Stellenanzeige nicht alle Anforderungen erfüllt? Bewirb dich trotzdem!
Lange Anforderungslisten schrecken viele ab, oft zu Unrecht. Eine neue Auswertung von Stepstone und der HTW Berlin zeigt, warum Stellenanzeigen häufig mehr verlangen, als der Job wirklich braucht.
- Laut Stepstone bewerben sich 44 % der Jobsuchenden nicht, wenn sie die Qualifikationen nicht ganz erfüllen.
- 71 % der Personalverantwortlichen sagen laut Stepstone, dass Anzeigen oft mehr verlangen als nötig.
- Stepstone und die HTW Berlin haben über 100.000 Stellenanzeigen mit KI ausgewertet.
- Marketing-Anzeigen nennen im Schnitt 15 Fähigkeiten, mehr als jede andere Berufsgruppe.
Ja, du solltest dich bewerben, auch wenn du nicht alle Anforderungen einer Stellenanzeige erfüllst. Entscheidend ist, dass du die zentralen Kernkompetenzen mitbringst. Das legt eine neue Auswertung von Stepstone und der HTW Berlin nahe, die am 28. Oktober 2026 veröffentlicht wurde: Viele Anzeigen beschreiben eher ein Idealbild als die Mindestvoraussetzungen.
44 % geben zu früh auf: Was die neue Studie von Stepstone und HTW Berlin zeigt
Gemeinsam mit der HTW Berlin hat The Stepstone Group mithilfe von KI über 100.000 Stellenanzeigen ausgewertet. Dabei kamen 955.295 Nennungen von Fähigkeiten zusammen, die in 231 Kategorien gebündelt wurden. Kodiert und analysiert hat die Daten Prof. Dr. Hendrik Send von der HTW Berlin.
Zusätzlich nennt Stepstone in der Pressemitteilung Werte zum Verhalten von Jobsuchenden und Personalverantwortlichen:
- 44 % der Jobsuchenden bewerben sich laut Stepstone nicht, wenn sie die verlangten Qualifikationen nicht ganz erfüllen.
- 71 % der Personalverantwortlichen sagen laut Stepstone, dass Stellenanzeigen in der Praxis oft mehr verlangen, als die Stelle wirklich braucht.
- 87 % der Personalverantwortlichen finden es laut Stepstone schwer, Bewerbende mit den nötigen Fähigkeiten zu finden.
Wunschliste statt Pflichtenheft: Warum Stellenanzeigen oft zu viel verlangen
Hier steckt ein Widerspruch: Unternehmen suchen händeringend nach passenden Leuten, schrecken sie aber mit ihren Anzeigen ab. Laut Stepstone fehlen mehr als der Hälfte der Personalverantwortlichen verlässliche Daten dazu, welche Anforderungen bei vergleichbaren Stellen üblich sind. Die Folge sind überladene Profile, die viele passende Bewerbende abschrecken.
Dr. Anna Wittich, Arbeitsmarktforscherin bei The Stepstone Group, ordnet das so ein:
„Stellenanzeigen spiegeln oft das Idealbild einer Rolle wider, nicht die zwingenden Mindestvoraussetzungen. Bewerbende sollten sich von umfangreichen Anforderungskatalogen nicht entmutigen lassen, solange die zentralen Kernkompetenzen abgedeckt sind.“
Und weiter: „Je länger die Anforderungsliste, desto größer ist das Risiko, dass eine Stellenanzeige nicht mehr eine einzelne Rolle, sondern das Profil mehrerer Fachkräfte auf einmal beschreibt.“
Für dich heißt das: Eine lange Liste ist kein Ausschlusskriterium. Sie ist eher eine Wunschliste, aus der du die wirklich wichtigen Punkte herausfiltern solltest.
So liest du eine Stellenanzeige richtig: Muss- und Kann-Kriterien erkennen
Viele Anzeigen unterscheiden sprachlich zwischen dem, was unverzichtbar ist, und dem, was nur gewünscht wird. Genau diese Unterscheidung fordert Wittich auch von Unternehmen: „Personalverantwortliche sollten Anforderungsprofile deshalb regelmäßig überprüfen, klar priorisieren und sauber zwischen Muss- und Kann-Kriterien unterscheiden.“ Achte auf diese Signale:
- Muss-Kriterien: Formulierungen wie „vorausgesetzt“, „zwingend“ oder „erforderlich“. Dazu gehören oft auch Fähigkeiten, die direkt zu den Kernaufgaben passen.
- Kann-Kriterien: Formulierungen wie „wünschenswert“, „von Vorteil“, „idealerweise“ oder „gerne auch“.
Lies außerdem zuerst den Abschnitt mit den Aufgaben. Was dort im Mittelpunkt steht, ist meist der Kern der Stelle. Prüfe, welche dieser Aufgaben du schon erledigt hast, beruflich, in einem Projekt oder in einer Weiterbildung.
Checkliste: Wann du dich trotzdem bewerben solltest
- Du bringst die Fähigkeiten mit, die für die Hauptaufgaben nötig sind.
- Dir fehlen vor allem Punkte, die als „wünschenswert“ oder „von Vorteil“ markiert sind.
- Du kannst Erfahrungen aus anderen Berufen auf die neue Rolle übertragen.
- Du kannst konkret zeigen, was du kannst, etwa mit Projekten oder Arbeitsproben.
- Du hast einen Plan, wie du verbleibende Lücken schließt.
Solltest du dich auf diese Stellenanzeige bewerben?
Nimm eine konkrete Anzeige zur Hand und beantworte ein paar kurze Fragen.
Eine Bewerbung lohnt sich für dich wahrscheinlich direkt
Du deckst den Kern der Stelle ab und kannst das belegen. Stell im Anschreiben deine Kernkompetenzen und konkrete Beispiele in den Vordergrund und lass dich von der Wunschliste nicht abschrecken.
Bewirb dich und sprich die Lücke kurz und ehrlich an
Stell in den Vordergrund, was du mitbringst. Nenn die fehlende Fähigkeit kurz und ehrlich und beschreib, wie du sie schließt, zum Beispiel mit einer Weiterbildung.
Eine fehlende Kernkompetenz aufzubauen kann der bessere erste Schritt sein
Fehlt dir eine echte Kernkompetenz, kannst du sie gezielt aufbauen, etwa mit einer Weiterbildung und Praxisprojekten für dein Portfolio. Ob ein Bildungsgutschein für dich in Frage kommt, klärst du mit deinem Kostenträger; zur Kurswahl beraten wir dich kostenlos und unverbindlich.
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Beratung anfragenoder anrufen: 07152 31 97 3 207Diese Entscheidungshilfe gibt dir eine erste Orientierung. Sie ersetzt keine persönliche Beratung.
Wie du eine fehlende Kernkompetenz gezielt aufbauen kannst, liest du im Abschnitt Lücken gezielt schließen.
Marketing und HR im Blick: Welche Fähigkeiten wirklich zählen
Marketing hat laut der Auswertung die längsten Anforderungslisten: Im Schnitt nennen Anzeigen 15 Fähigkeiten, so viele wie in keiner anderen Berufsgruppe. Neben Kommunikation und Organisation zählen vor allem Datenanalyse und das Verständnis digitaler Plattformen. Gerade hier lohnt es sich, nicht an jedem einzelnen Punkt hängen zu bleiben, sondern die Kernkompetenzen herauszuarbeiten.
Im Personalwesen stehen neben der Verwaltung vor allem zwischenmenschliche Fähigkeiten im Mittelpunkt: Serviceorientierung, Eigeninitiative und Empathie. Wer Mitarbeitende aktiv betreut und im Unternehmen hält, hebt sich laut Stepstone von reiner Prozessabwicklung ab.
Lücken gezielt schließen: Weiterbildung, Praxisprojekte und Bewerbertraining nutzen
Fehlt dir eine echte Kernkompetenz, kannst du sie gezielt aufbauen. Im Kurs Online Marketing Manager (m/w/d) lernst du in 24 Wochen (960 UE) unter anderem Marketingstrategie und Medienrecht, SEO/SEA, Social Media, E-Commerce, Design und Branding sowie BWL. Wer ins Personalwesen will, findet im Kurs Fachmann für Personalmanagement (m/w/d) Personalverwaltung, strategisches Personalmanagement, Personalführung und -entwicklung sowie Kommunikation.
Bei Minister Fachschule kommen drei Dinge hinzu, die direkt beim Bewerben helfen:
- Praxisprojekte für dein Portfolio: Damit belegst du Fähigkeiten, statt sie nur zu behaupten.
- Regelmäßiges Bewerbertraining: Hier übst du, Muss- und Kann-Kriterien zu erkennen und deine Kernkompetenzen herauszustellen.
- Kontakte zu Unternehmen: Oft gibt es eine direkte Vermittlung, sodass du nicht nur über Anzeigen gehen musst.
Die Kurse finden hybrid statt, online per Videokonferenz oder vor Ort, und sind mit Bildungsgutschein 100 % kostenlos. Einen Überblick findest du unter Alle Kurse.
Häufige Fragen
Soll ich mich bewerben, wenn ich nicht alle Anforderungen erfülle?
Ja, wenn du die zentralen Kernkompetenzen für die Hauptaufgaben mitbringst. Laut Stepstone beschreiben Anzeigen oft ein Idealbild und nicht die Mindestvoraussetzungen.
Wie erkenne ich Muss- und Kann-Kriterien in einer Stellenanzeige?
Achte auf die Wortwahl: „vorausgesetzt“ oder „zwingend“ deuten auf Muss-Kriterien hin, „wünschenswert“ oder „von Vorteil“ auf Kann-Kriterien.
Wie gehe ich im Anschreiben mit fehlenden Punkten um?
Stell in den Vordergrund, was du mitbringst. Fehlt etwas Wichtiges, nenn kurz und ehrlich, wie du die Lücke schließt, zum Beispiel mit einer Weiterbildung.
Wer übernimmt die Kosten für eine Weiterbildung?
Mit Bildungsgutschein sind die Kurse von Minister Fachschule 100 % kostenlos. Kostenträger sind zum Beispiel Agentur für Arbeit, Jobcenter, Rentenversicherung oder Berufsgenossenschaften.
Kostenlose Beratung zu deiner Weiterbildung
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Quellen
- EQS-News: Anforderungsfalle bei der Jobsuche: Stellenanzeigen verlangen oft mehr als nötig und bremsen Bewerbende aus (ad-hoc-news.de)
- The Stepstone Group: The requirements trap: job ads often ask for more than necessary and hold candidates back (finanzwire.com)
- onvista: Anforderungsfalle bei der Jobsuche: Stellenanzeigen verlangen oft mehr als nötig und bremsen Bewerbende aus (onvista.de)
Bild: didab56 / Pixabay
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