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Inszenierung auf Social Media: Warum das Video oft mehr bringt als die Arbeit

Von 5 Min. Lesezeit

Kupfer abisolieren, ein scheinbar gut laufender Laden, Gartenarbeit für andere, Restaurierungen: Bei vielen Social-Media-Kanälen ist die Arbeit vor der Kamera nur der Anlass. Das Geld kommt oft aus der Inszenierung selbst.

Das Wichtigste in Kürze
  • Viele erfolgreiche Formate zeigen Arbeit, Alltag oder Projekte. Verdient wird aber oft vor allem an Reichweite, Affiliate-Links, Shop und Sponsoren.
  • Beispiel Kupfer-Trend: Laut GameStar brachten knapp 14 kg Kupfer einer Creatorin 99 US-Dollar, ein virales Video über das Creator-Programm von TikTok 1.446 US-Dollar.
  • Bei einer EU-weiten Prüfung von 576 Influencern veröffentlichten laut EU-Kommission rund 97 % kommerzielle Inhalte, aber nur etwa jeder Fünfte kennzeichnete sie durchgehend.
  • Wie Inszenierung, Reichweite und Monetarisierung funktionieren, kannst du mit Bildungsgutschein kostenlos als Beruf lernen.

Ein Laden, der scheinbar brummt, Gartenarbeit, die jemand gratis für andere erledigt, ein verrostetes Fundstück, das wieder glänzt, oder Kupferkabel, die zu Geld werden: Auf Social Media erreichen solche Formate ein Millionenpublikum. Was viele Zuschauende übersehen: Die gezeigte Arbeit ist oft nur der Anlass. Verdient wird bei vielen Kanälen vor allem an der Inszenierung selbst, mit allem, was dazugehört. Hier erfährst du, wie dieses Geschäftsmodell funktioniert und was du daraus aus Marketing-Sicht lernen kannst.

Inszenierung auf Social Media: Das Muster hinter vielen Formaten

Ob Handwerk, Laden-Alltag oder Restaurierung: Viele erfolgreiche Kanäle folgen einem ähnlichen Prinzip. Sie zeigen eine Tätigkeit, die nach echter Arbeit, ehrlichem Verdienst oder gutem Zweck aussieht. Die Bilder sind befriedigend, die Geschichte ist einfach, und jedes Video lässt sich nach demselben Schema wiederholen.

Typische Beispiele sind:

Allen gemeinsam ist: Die Tätigkeit wirkt wie die Einnahmequelle, doch das eigentliche Geschäft läuft oft über Klicks, Kooperationen und Produkte rund um das Video.

Ein Beispiel mit Zahlen: der Kupfer-Trend

Wie groß der Unterschied zwischen Arbeit und Inszenierung sein kann, zeigt der Kupfer-Trend. Nach einer Auswertung des Magazins GameStar schauen auf TikTok und YouTube Millionen Menschen zu, wie Elektroschrott zerlegt und Kupfer aus Kabeln gelöst wird. Accounts wie „King of Copper“ und „Queen of Copper“ haben demnach Hunderttausende Follower und präsentieren das als Nebenverdienst gegen die Inflation.

  • Schrotterlös: Die Creatorin @Courtney2291 wollte laut GameStar mit Altmetall 20.000 US-Dollar für die Anzahlung auf ein Haus sparen. Knapp 14 kg Kupfer brachten ihr laut Beleg 99 US-Dollar.
  • Video: Ein virales Video mit 6,8 Millionen Aufrufen brachte ihr über das Creator-Programm von TikTok dagegen 1.446 US-Dollar ein.

Das Video bringt also ein Vielfaches dessen, was das Kupfer einbringt. Und für die 99 Dollar müssen Material beschafft, Zeit investiert und Werkzeug gekauft werden.

Wo das Geld wirklich herkommt: Reichweite, Affiliate, Shop und Sponsoren

Hat ein Kanal einmal Millionen Aufrufe, eröffnen sich mehrere Einnahmequellen, die mit der gezeigten Tätigkeit nur noch indirekt zu tun haben:

  • Reichweite: Viele Views bringen Geld aus Programmen der Plattformen, wie im Kupfer-Beispiel über das Creator-Programm von TikTok, und machen einen Account für Werbepartner interessant.
  • Affiliate-Links: Werkzeug, Geräte oder Pflegemittel aus dem Video werden verlinkt. Kauft jemand über den Link, gibt es eine Provision. Laut GameStar verdienen viele Kupfer-Accounts am verlässlichsten über Affiliate-Provisionen für Abisolierwerkzeug im TikTok Shop. Ein Creator behauptet in einem Video, Tausende Exemplare eines einzigen Modells verkauft zu haben. Unabhängig überprüfen lässt sich das nicht.
  • Shop: Produkte lassen sich direkt im Video anbieten. Der Weg vom Zuschauen zum Kaufen ist kurz.
  • Kooperationen und Sponsoren: Marken bezahlen dafür, dass ihre Produkte im Video vorkommen, etwa die Maschine in der Restaurierung oder das Gartengerät beim Gratis-Einsatz.

Für Zuschauende entsteht so leicht ein falsches Bild: Der Eindruck „Mit dieser Arbeit kann man gut leben“ bleibt hängen, während das eigentliche Geschäftsmodell im Hintergrund läuft.

Werbung muss erkennbar sein, ist es aber oft nicht

Wer Affiliate-Links, Shop-Produkte oder gesponserte Inhalte zeigt, muss diese als Werbung kennzeichnen. Orientierung dazu geben die Medienanstalten in ihrem Leitfaden zur Werbekennzeichnung.

In der Praxis klappt das häufig nicht. Die EU-Kommission und nationale Verbraucherschutzbehörden haben 576 Influencer überprüft. Rund 97 % von ihnen veröffentlichten kommerzielle Inhalte, aber nur etwa jeder Fünfte kennzeichnete sie durchgehend als Werbung. Für dich als Zuschauende:r heißt das: Frag dich bei jedem Format, was der Kanal eigentlich verkauft.

Wenn du selbst Inhalte produzierst: Pflichten und Risiken

Bevor du selbst ein Format startest oder einem Trend folgst, solltest du einige Punkte kennen:

  • Gewerbe und Steuern: Wer regelmäßig Einnahmen aus Plattformprogrammen, Affiliate-Links, Kooperationen oder einem Shop erzielt, muss unter Umständen ein Gewerbe bei der Gemeinde anmelden und sich beim Finanzamt steuerlich erfassen lassen. Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung findest du bei ELSTER.
  • Meldepflichten: Beziehst du Arbeitslosengeld oder Bürgergeld, musst du Nebeneinkünfte melden. Beim Jobcenter geht das bei Selbstständigkeit über die Anlage EKS. Die Agentur für Arbeit stellt die Formulare bereit.
  • Werbekennzeichnung: Bezahlte oder verlinkte Produkte kennzeichnest du als Werbung.

Was Marketing-Profis daraus lernen können

Die Inszenierung auf Social Media ist ein Lehrstück für modernes Marketing: ein einfaches, wiederholbares Format, starke Bilder, eine Geschichte, die berührt oder befriedigt, und Produkte, die zur Geschichte passen. Genau diese Mechanik von Reichweite, Monetarisierung und Kennzeichnungspflichten kannst du professionell erlernen und beruflich nutzen, statt nur zuzuschauen.

Unser Kurs Online Marketing Manager (m/w/d) deckt in 24 Wochen unter anderem Social Media, E-Commerce, Design und Branding sowie Marketingstrategie und Medienrecht ab. Wenn du gezielter einsteigen willst, passen auch diese Kurse:

Alle Kurse kannst du hybrid besuchen, online per Videokonferenz oder vor Ort. Mit Bildungsgutschein sind sie für dich zu 100 % kostenlos. Weitere Weiterbildungen findest du in unserer Kursübersicht.

Häufige Fragen

Womit verdienen Social-Media-Kanäle eigentlich ihr Geld?

Oft weniger mit der gezeigten Tätigkeit als mit dem Video selbst: über Programme der Plattformen, Affiliate-Links, eigene Shops sowie Kooperationen und Sponsoren.

Wie erkenne ich Werbung in solchen Videos?

Werbung muss gekennzeichnet sein. Laut EU-Kommission tut das aber nur etwa jeder fünfte geprüfte Influencer durchgehend. Achte deshalb auch auf verlinkte Produkte, Shop-Hinweise und auffällig oft gezeigte Marken.

Wird eine Weiterbildung im Social-Media-Marketing gefördert?

Ja. Mit einem Bildungsgutschein von Agentur für Arbeit oder Jobcenter sind unsere Kurse für dich kostenlos.

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Quellen

  • Investigation of the Commission and consumer authorities finds that online influencers rarely disclose commercial content (icpen.org)
  • Ein neuer Internettrend beweist wieder einmal: Reich wird nicht, wer nach Gold gräbt, sondern wer die Schaufeln verkauft (gamestar.de)

Bild: hainguyenrp / Pixabay

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