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Sozialabgaben-Anstieg: IGES-Studie sieht 48,8 % bis 2035

Von 5 Min. Lesezeit

Fast die Hälfte des Bruttolohns für die Sozialversicherung: Eine neue Projektion zeigt, wie stark die Beiträge bis 2035 steigen könnten und warum ausgerechnet die Arbeitslosenversicherung am stärksten zulegt.

Inhalt 7 Abschnitte
  1. Neue IGES-Studie: Sozialabgaben steigen bis 2035 auf fast 49 Prozent
  2. Rente, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung im Überblick
  3. Warum die geplanten Reformen den Anstieg kaum bremsen
  4. Was der Sozialabgaben-Anstieg für dein Netto bedeutet
  5. Lohnabrechnung und Sozialversicherung: Wissen, das gefragt ist
  6. Häufige Fragen
  7. Jetzt kostenlos beraten lassen

Ja, die Sozialabgaben dürften in den nächsten Jahren deutlich steigen. Nach einer neuen Projektion des IGES Instituts klettert der Gesamtbeitrag zur Sozialversicherung ohne weitere Reformen von 42,8 Prozent im Jahr 2026 auf 48,8 Prozent im Jahr 2035. Schon 2027 könnte der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 2,6 auf 2,9 Prozent steigen.

Neue IGES-Studie: Sozialabgaben steigen bis 2035 auf fast 49 Prozent

Das IGES Institut hat die Studie „Beitragsbelastung in den Zweigen der Sozialversicherung: Projektionen bis zum Jahr 2035“ am 2. November 2026 in Berlin vorgestellt. In Auftrag gegeben hat sie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), ein Interessenverband. Das solltest du beim Einordnen der Zahlen im Hinterkopf behalten.

Gerechnet wird mit dem geltenden Recht, Stand 28. Oktober 2026, einschließlich des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (BStabG). Die projizierten Beitragssätze sind so berechnet, dass sie die Ausgaben des jeweiligen Zweigs vollständig decken. Die Ergebnisse je nach Wirtschaftslage:

  • Mittlere Entwicklung: 45,4 Prozent im Jahr 2028 und 48,8 Prozent im Jahr 2035, also 6,0 Prozentpunkte oder 14 Prozent mehr als 2026.
  • Ungünstige Entwicklung: 51,6 Prozent im Jahr 2035. Angenommen sind unter anderem 2 Prozent Lohnwachstum pro Jahr und 3,4 Millionen weniger Arbeitnehmer bis 2039 als 2025.
  • Günstige Entwicklung: 46,6 Prozent im Jahr 2035.

Die frühere politische Obergrenze von 40 Prozent rückt damit laut IGES in weite Ferne. Mehr als zwei Drittel des Anstiegs entfallen auf die Renten- und die Arbeitslosenversicherung.

Wichtig: Eine Projektion zeigt, was unter bestimmten Annahmen passiert, sie ist keine feste Vorhersage. Im Januar 2026 hatte IGES im Auftrag der DAK-Gesundheit für 2035 noch rund 50 Prozent errechnet, im ungünstigen Fall fast 54 Prozent. Dass die neue Basisprognose niedriger liegt, führt IGES vor allem auf das BStabG zurück.

Rente, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung im Überblick

Zweig Entwicklung im mittleren Szenario
Rentenversicherung 18,6 % → 19,9 % spätestens 2028 → 20,9 % bis 2035
Krankenversicherung 17,7 % bis 2028 → 18,8 % im Jahr 2035
Pflegeversicherung ohne Pflegeneuordnungsgesetz: 4,2 % (2027), 4,5 % (2028), rund 4,8 % (2035)
Arbeitslosenversicherung 2,6 % → 2,9 % (2027) → 4,4 % (2035)

Bei der Rente ist der absolute Anstieg mit 2,3 Punkten am größten, weil die Rücklage auf das gesetzliche Minimum geschrumpft ist. In der Krankenversicherung gelten die stabilen 17,7 Prozent nur, wenn die Entlastungen des BStabG voll wirken. Bleibt der Ausgabenzuwachs so hoch wie im ersten Halbjahr 2026 (7,1 Prozent), fehlen laut Studie schon 2027 rund 22,0 Milliarden Euro, 3,2 Milliarden mehr, als das Gesetz annimmt. In der Pflege fehlen ohne das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) 2027 rund 7,6 Milliarden Euro.

Arbeitslosenversicherung: der stärkste relative Anstieg

Ein Plus von 67 Prozent bis 2035 ist der stärkste relative Zuwachs aller Zweige. Die Bundesagentur für Arbeit erwartet für 2026 ein Defizit von knapp 9 Milliarden Euro und Schulden von rund 10 Milliarden Euro zum Jahresende. Der Beitrag von 2,6 Prozent ließ sich nur mit Darlehen des Bundes halten. Als Gründe für den projizierten Anstieg nennt die Studie den angenommenen Schuldenabbau, leicht steigende Arbeitslosigkeit und weniger sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Warum die geplanten Reformen den Anstieg kaum bremsen

IGES hat zwei Reformszenarien durchgerechnet:

  • Ohne Kapitalrente: Eingerechnet sind die Empfehlungen der Alterssicherungskommission, die Notfallreform und das PNOG. Der Gesamtbeitrag läge 2035 bei 47,5 Prozent, nur 1,3 Punkte unter dem Wert ohne Reformen. Laut IGES bremsen die Reformen den Anstieg damit nur um rund ein Fünftel.
  • Mit Kapitalrente: Die Alterssicherungskommission empfiehlt zusätzlich 2 Prozentpunkte Rentenbeitrag, schrittweise ab 2028. Der Gesamtbeitrag läge 2035 dann bei 49,3 Prozent, also höher als ohne Reformen. Die Entlastung käme erst nach 2035.

Hinzu kommt: Das PNOG hat bisher nur das Bundeskabinett beschlossen.

Was der Sozialabgaben-Anstieg für dein Netto bedeutet

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel der Redaktion: Zahlen Arbeitgeber und Beschäftigte die Beiträge je zur Hälfte, entfallen von 6 Prozentpunkten Anstieg rund 3 Punkte auf dich. Bei 3.500 Euro brutto im Monat wären das etwa 105 Euro weniger netto. Nicht berücksichtigt sind Beitragsbemessungsgrenzen, der Kinderlosenzuschlag in der Pflege und Steuereffekte. Für Unternehmen steigen gleichzeitig die Lohnnebenkosten.

Lohnabrechnung und Sozialversicherung: Wissen, das gefragt ist

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Übrigens: Die Arbeitslosenversicherung finanziert auch die Weiterbildungsförderung der Agentur für Arbeit. Mit Bildungsgutschein sind unsere Kurse für dich 100 Prozent kostenlos. Beschäftigte können über das Qualifizierungschancengesetz gefördert werden, in Abstimmung mit dem Arbeitgeber.

Häufige Fragen

Wie viel Sozialabgaben zahle ich 2027?

Das steht noch nicht fest. Die IGES-Projektion rechnet für 2027 mit 2,9 Prozent in der Arbeitslosenversicherung und mit 17,7 Prozent in der Krankenversicherung bis 2028. In der Pflege hängt viel davon ab, ob das PNOG kommt.

Wer hat die Studie bezahlt?

Das IGES Institut hat die Projektion im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt.

Warum steigt die Arbeitslosenversicherung so stark?

Laut Studie wegen des angenommenen Schuldenabbaus, leicht steigender Arbeitslosigkeit und weniger sozialversicherungspflichtig Beschäftigter.

Jetzt kostenlos beraten lassen

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Quellen

  • IGES-Projektion: Aktuelle Reformvorhaben bremsen Anstieg der Sozialabgaben nur begrenzt (iges.com)
  • Beitragsbelastung in den Zweigen der Sozialversicherung: Projektionen bis zum Jahr 2035 – INSM (insm.de)
  • Update IGES-Projektion: Sozialabgaben könnten 2035 auf bis zu 50 Prozent steigen (iges.com)

Bild: stevepb / Pixabay

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